Turnierhighlights

Aruba 2014

Das Beachtennis-Turnier auf der karibischen Insel Aruba hat sich in den vergangenen Jahren zum größten und beliebtesten Event auf der ITF Beach Tennis Tour entwickelt. Im Jahr 2014 waren in verschiedenen Wettbewerben auf 30 Feldern mehr als 1000 Spieler am Start. Die Berlinerin Maraike Biglmaier hat an der Seite der Italienerin Camilla Ponti das Turnier gewonnen - ein gewichtiger Grund, ihr und dem Turnier eine Geschichte zu widmen.

 

Mit Blick auf die Spitze der Weltrangliste

Maraike Biglmaier gewinnt auf Aruba an der Seite der Italienerin Camilla Ponti das weltweit größte Beachtennis-Turnier. Die 27-jährige Berlinerin gehört nun endgültig zu den besten Spielerinnen der Szene.

Maraike Biglmaier auf Aruba im November 2014Abb: Maraike Biglmaier (rechts) und Camilla Ponti

Als Maraike Biglmaier über den weißen Sandstrand von Aruba schlenderte, kamen Urlaubsgäste vorbei und gratulierten ihr, andere posierten neben ihr für ein Erinnerungsfoto. Die 27-jährige Berlinerin hatte im November für Aufsehen gesorgt auf der kleinen Insel in der südlichen Karibik. Sie selbst war nicht zum Urlaub machen nach Aruba gekommen, Maraike Biglmaier hat sich mittlerweile in die erlesene Beachtennis-Familie gespielt; jene sportliche Reisegruppe mit den besten Spielern, die sich regelmäßig bei den großen Turnieren trifft und dort recht zuverlässig die Siegprämien und Pokale abräumt. Zwei Tage vor ihrem Strandspaziergang hatte sie das weltweit größte Beachtennis-Turnier gewonnen und einen gewichtigen Teil des Preisgelds von 30 000 Dollar erspielt. An der Seite der Italienerin Camilla Ponti galt sie in der Szene zwar als aussichtsreiche Titelkandidatin, ein wenig überrascht war sie dann aber schon, dass es so gut gelaufen ist. Im Finale setzte sich das an Position drei gesetzte Duo gegen Pauline Bourdet aus Frankreich und die Spanierin Pilar Escandell, gemeinsam die Nummer acht der Setzliste, mit 7:6 und 6:3 durch. "Die Atmosphäre im Stadion war unglaublich, das absolute Highlight in meiner Beachtennis-Karriere", sagt Maraike Biglmaier.

Diese Beachtennis-Karriere ist noch recht jung, sie startete vor gut drei Jahren, als Maraike Biglmaier während ihres Studiums - Internationale BWL und Wirtschaftsrecht – in Wien wohnte. Dort nahm sie zum ersten Mal einen sogenannten Paddle-Schläger in die Hand, und sie verliebte sich auf Anhieb in die Strandvariante des Tennisspiels, das sie im Alter von sechs Jahren in ihrer Heimatstadt Berlin erlernt hatte. Noch heute schlägt Maraike Biglmaier für den TC SSC Berlin auf, in diesem Jahr ist das Team in die Regionalliga aufgestiegen. Doch ihre großen Erfolge feiert die 27-Jährige mittlerweile nicht mehr auf der roten Asche, sondern auf den Beachtennis-Plätzen dieser Welt.

Maraike Biglmaier auf Aruba im November 2014Abb: Finalspiele im Stadion auf Aruba

Der Turniersieg auf Aruba war für Maraike Biglmaier bereits der siebte Titelgewinn in diesem Jahr. Das Besondere daran: Sie war mit sechs verschiedenen Spielerinnen an ihrer Seite erfolgreich. Bis vor den Weltmeisterschaften in Cervia/Italien Anfang August trat sie bei den großen Turnieren mit Patricia Diaz aus Venezuela an, doch die beiden trennten sich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Mit der Italienerin Nicole Nobile scheiterte Maraike Biglmaier bei den Weltmeisterschaften in der zweiten Runde. Das andauernde Training zahlte sich jedoch bereits in den darauf folgenden Wochen aus, die wechselnden Partnerinnen spielten dabei keine entscheidende Rolle mehr. Im September durfte sie ihren ersten Titel bei einem Turnier der höchsten Kategorie feiern, in Santos/Brasilien gewann sie gemeinsam mit der ehemaligen Weltranglistenersten Joana Cortez aus Brasilien.

Nun also der sportliche Höhepunkt auf der Karibikinsel Aruba, die mit einer Fläche von 180 Quadratkilometern etwa fünfmal kleiner ist als Berlin. Im achten Jahr verantworten die beiden Niederländer Sjoerd de Vries und Jochem Ros dieses Beachtennis-Turnier in einer Sportart, die längst nicht mehr nur als trendige Freizeitbeschäftigung gilt. Die Spieler hechten sich im Sand um Weltranglistenpunkte, der Spaß kommt dennoch nicht zu kurz. Die Veranstaltung auf Aruba vereint in einzigartiger Weise professionellen Sport mit Partystimmung und Urlaubsatmosphäre. Auch deshalb kamen in diesem Jahr 1100 Teilnehmer, die meisten von ihnen tummelten sich auf den 30 Spielfeldern in den Wettbewerben der verschiedenen Altersklassen und Spielklassen, und sie besuchten zwischen den Begegnungen die Cocktailbar. Rund 200 Akteure nahmen am offiziellen Turnier des internationalen Tennisverbands ITF teil, für die ambitionierten von ihnen blieben die Cocktails bis zur Beachparty am Abend alkoholfrei.

Maraike Biglmaier hat gewissenhaft auf ihren Erfolg hingearbeitet, den Ehrgeiz hatte sie bereits als Tennisspielerin entwickelt. Und es kommt ihr zugute, dass sie mit dem Schläger in der Hand aufgewachsen ist. Ein guter Aufschlag und ein gewachsenes Spielverständnis gehören zu ihren Stärken. "Nur an der Beweglichkeit kann sie noch arbeiten. Maraike hat ein paar Tennisbewegungen, die im Beachtennis eher nachteilig sind", sagt Alex Mingozzi. Die Vita des 33-jährigen Italieners berechtigt ihn durchaus zu dieser Aussage, er gehört eben auch zu dieser erlesenen Beachtennis-Familie, ist vielleicht sogar ihr bekanntestes Mitglied. Alex Mingozzi hat in seiner Karriere schon so gut wie alles gewonnen, was dieser Sport ihm zu bieten hatte. Auf Aruba war er im Mixed-Wettbewerb an der Seite von Maraike Biglmaier im Einsatz, die beiden scheiterten im Halbfinale. "Aber Spaß gemacht hat es trotzdem", sagt er.

Maraike Biglmaier auf Aruba im November 2014Abb: Maraike Biglmaier und Alex Mingozzi

Der italienische Profi spielt Beachtennis seit knapp 20 Jahren, Tennis dagegen spielt er überhaupt nicht. Das ist für die internationale Szene nicht ungewöhnlich, in Deutschland dagegen schon, hier kommen die meisten Spieler über das Tennisspiel zum Beachtennis. Gerade Maraike Biglmaier ist ein gutes Beispiel dafür. Die 27-Jährige ist von ihren jüngsten Erfolgen beflügelt und hat ein neues Ziel ausgegeben: Sie möchte die Nummer eins der Welt werden. Hierfür müsste sie jedoch auch sie wertvollen Punkte bei der Europameisterschaft und der Team-Weltmeisterschaft einsammeln, was ohne deutsche Partnerin jedoch nicht möglich ist. "Die sehe ich zurzeit aber leider nicht", sagt Maraike Biglmaier. Und tatsächlich ist sie in Deutschland die einzige Spielerin, die den Sport einigermaßen professionell betreibt. Beachtennis steckt hierzulande noch immer in den Startlöchern. Es gibt zwar eine Turnierserie, die vom Deutschen Tennis-Bund (DTB) organisiert wird, aber es gibt eben noch viel zu wenig Spieler. Auch hier möchte Maraike Biglmaier sich einbringen: "Wir müssen in Deutschland bessere Strukturen schaffen und die Leute von der Kombination aus Sport und Urlaubsatmosphäre überzeugen."

Diese Urlaubsatmosphäre hat sich ja vor Kurzem selbst noch genießen dürfen. Wenn auch erst nach ihrem Turniersieg auf Aruba. Die Sehenswürdigkeiten der Insel abseits der Beachanlage hat sie verpasst: Den Arikok-Nationalpark etwa, die Schnorcheltour per Segelboot oder die kleine Renaissance-Insel mit ihren frei laufenden Flamingos. Maraike Biglmaier wird Aruba dennoch in guter Erinnerung behalten. Als Ort ihres bislang größten Erfolgs, der sie kurzerhand auch bei den Urlaubsgästen an den feinen Sandstränden bekannt gemacht hat.

Von Maximilian Hamm, im November 2014


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