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Im italienischen Sand nach den Bällen hechten (Fellbacher Zeitung, 26.8.2003)

Fellbach. Jürgen Renner und Maximilian Hamm haben heute eine lange Autofahrt vor sich. Es geht nach Italien. Allerdings nicht, um faul an der Adria in der Sonne zu liegen. Im Gegenteil: Die beiden Oeffinger vertreten von Donnerstag an bis zum Sonntag die deutschen Farben bei den Weltmeisterschaften im Beach-Tennis in Ravenna.

Und darauf sind sie stolz. "Wir sind für Deutschland als offizielles Team dabei", sagt Jürgen Renner. Zusammen mit Nadine Tränklein und Daniela Boog vom VfL Sindelfingen bilden die Oeffinger eine Mannschaft, die im Herren- und Damen-Doppel sowie im Mixed antreten wird.

Wie die Chancen des gemischte Quartetts im Aufeinandertreffen mit den Arrivierten der internationalen Beach-Tennis-Szene stehen? Jürgen Renner gibt sich bedeckt. "Ich denke nicht, dass wir Weltmeister werden, aber richtig untergehen werden wir wohl auch nicht." Sein Partner Maximilian Hamm wird etwas deutlicher. "Wir möchten auf jeden Fall die Vorrunde überstehen. Das wäre schon ein toller Erfolg." An den Weltmeistertitel denken, "das wäre ziemlich unrealistisch", sagt der 29-Jährige. Vor allem die Mannschaften des Gastgebers gehören zum Favoritenkreis, an ihnen führt wohl kein Weg vorbei. Alles andere wäre eine Sensation. Denn hier zu Lande ist Beach-Tennis noch eine Randsportart, in Italien hingegen genießt die moderne Tennis-Variante schon seit Jahren einen höheren Stellenwert. Da verwundert es auch nicht, dass die diesjährigen Weltmeisterschaften ausgerechnet in Italien stattfinden. "Die Italiener", sagt auch Maximilian Hamm, "sind uns da schätzungsweise zehn Jahre voraus". Es gibt eine richtige Rangliste, wie sie in Deutschland nur beim Tennis üblich ist. Und es gibt auch spezielle Beach-Schläger, die kürzer sind als die herkömmlichen und zudem keine Saiten haben. "Sie ähneln ein bisschen den Schlägern dieses Strandspiels, das im Urlaub immer gespielt wird", sagt Jürgen Renner.

In Deutschland wird Beach-Tennis immer noch mit den herkömmlichen Schlägern gespielt. Meistens zumindest. Vor zwei Wochen, bei den württembergischen Meisterschaften auf dem "Schmiden Beach", griffen Jürgen Renner und Maximilian Hamm jedoch mitunter auch zu den neuen Arbeitsgeräten. Die hatte ihnen Eberhard Mensing, Breitensport-Vertreter beim Deutschen Tennis-Bund (DTB), extra vorbeigebracht. "Mit den neuen Schlägern ist es ein ganz anderes Spiel", lautet Jürgen Renners Urteil. "Man kann die Bälle nicht so gut anschneiden, dafür kann man sich wegen der kürzeren Griffe besser in den Sand hechten".

Ob es wohl an den ungewohnten Schlägern lag, dass die beiden Oeffinger vorvergangenen Samstag bei den württembergischen Titelkämpfen bereits im Viertelfinale die Segel streichen mussten? Schwer zu sagen, auf jeden Fall sind der Bau-Ingenieur und der IT-Systemkaufmann ansonsten auf dem Beach-Feld kaum zu schlagen. Obwohl sie erst seit diesem Sommer ein Team bilden. Das Turnier in Bonlanden Ende Mai haben sie auf Anhieb gewonnen, beim Turnier auf dem "Schmiden Beach" vor vier Wochen haben sie erst im Finale verloren.

In Deutschland gehört das Oeffinger Duo quasi zu den Pionieren des Beach-Tennis. Vor drei Jahren, als auf verschiedenen Sandplätzen in der Region erstmals Turniere veranstaltet wurden, gehörte der 30-jährige Jürgen Renner mit zu den Ersten, die mit dem Schläger in der Hand nach den Bällen hechteten. Jetzt darf er sich dabei mit seinem Partner in den italienischen Sand schmeißen. Und das internationale Flair einer Weltmeisterschaft erleben. Weiche Knie bekommen sie bei dem Gedanken an die letzten vier August-Tage jedoch nicht. "Bei einer WM geht es zwar ernst zu, doch wir wollen nebenher auch ein bisschen Urlaub machen und uns die Gegend anschauen", sagt Jürgen Renner. Das Oeffinger Duo hat sich also viel vorgenommen. Nur faul am Strand liegen, das werden Jürgen Renner und Maximilian Hamm in Italien mit Sicherheit nicht.