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Von zwei eher untypischen deutschen Meistern (Fellbacher Zeitung, 27.9.2001)

Fellbach. Deutscher Meister. Ein Titel, von dem viele, ja eigentlich alle Sportler träumen. Als Kinder, als Jugendliche und auch noch im Erwachsenenalter. Esther Schmid und Oliver Meinecke sind 27 Jahre alt. Sie haben nie wirklich davon geträumt. Warum auch. Beide sind sie keine hochtalentierten Hochleistungssportler, denen schon seit eh und je klar war, dass sie sich früher oder später mal deutscher Meister nennen dürfen. Beide stehen mit beiden Beinen mitten im Leben. Esther Schmid arbeitet als Vertriebsassistentin in der IT-Branche, Oliver Meinecke ist Produktmanager in der papierverarbeitenden Industrie. In ihrer Freizeit spielen die beiden Tennis. In der Bezirksliga für den KV Untertürkheim, dessen Anlage sich auf Fellbacher Gemarkung befindet.

Seit kurzem dürfen sich Esther Schmid und Oliver Meinecke dennoch deutscher Meister nennen. Deutscher Meister im Beach-Tennis. Eine steile Karriere. "Das hätten wir in keinster Weise gedacht", sagt Oliver Meinecke. Und Esther Schmid ergänzt: "Man kann das gar nicht so richtig realisieren."

Beach-Tennis ist eine dieser noch relativ jungen Sportarten auf Sand. Eine dieser Sportarten, die jenen gleichen, aus denen sie hervorgegangen sind, aber dennoch ganz anders sind. Volleyball, Handball, Fußball und Tennis auf weichem Untergrund, mit Musik im Hintergrund. Das gibt es in Deutschland noch gar nicht so lange. Beach-Tennis beispielsweise seit 1998. Die neuen Sportarten werden aber immer beliebter. Wohl, weil sie das Lebensgefühl der Menschen ansprechen. Die Sportarten auf dem "Beach" verbinden Sport und Vergnügen in einem Maße, in dem es andere nicht können. Sie geben zudem Hobby-Athleten die Möglichkeit, große Erfolge zu erreichen. Die Möglichkeit, sich deutscher Meister nennen zu dürfen. Wer erinnert sich in diesem Zusammenhang nicht an die Ballwerfer des TSV Schmiden (damals Landesliga, heute Verbandsliga), die sich 1998 in Cuxhaven den Titel im Beach-Handball sicherten?

Nun haben es auch Esther Schmid und Oliver Meinecke geschafft. Privat sind sie schon seit geraumer Zeit ein Paar. Beim Beach-Tennis haben sie auch eines gebildet. Bei den deutschen Meisterschaften in Filderstadt erkämpften sie sich vor knapp zwei Wochen den Titel in der Mixed-Konkurrenz. Das Erfolgsrezept: "Wir sind als Team ausgewogen. Man kennt die Stärken und Schwächen des anderen aus dem täglichen Austausch", sagen sie. Zusammen mit Monika Geiger vom TSV Deizisau siegte Esther Schmid zudem bei den Damen. Bei den Herren hatten Oliver Meinecke und Alexander Eller (KVU) sehr gute Chancen, Eller trat aber aus privaten Gründen nach dem Viertelfinale nicht mehr an. Urkunden, Sachpreise wie zwei Trainingsanzüge und einen Schläger sowie Pokale erhielten Esther Schmid und Oliver Meinecke für ihre Erfolge.

Dass sie überhaupt deutscher Meister werden konnten, dafür müssen sich die beiden in gewisser Weise auch bei der Tennisabteilung des TV Oeffingen bedanken. Diese veranstaltete auf dem "Schmiden Beach" Ende Juli ein Beach-Tennis-Turnier. "Wir haben in der Runde gegen die Oeffinger Damen gespielt, die haben uns dazu eingeladen", sagt Esther Schmid. In Schmiden belegte sie mit Monika Geiger den dritten Platz, der zur Qualifikation zu den nationalen Titelkämpfen ausreichte. Oliver Meinecke und Alexander Eller gewannen sogar. "Es hat sich erst im Nachhinein herausgestellt, dass es überhaupt deutsche Meisterschaften gibt", sagt Oliver Meinecke. Mit seiner Freundin beschloss er nach der schriftlichen Einladung, teilzunehmen. "Die Chance, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen, bekommt man ja nicht allzu oft." Das Paar des KVU wird sie ein zweites Mal erhalten. Im kommenden Jahr wollen Esther Schmid und Oliver Meinecke ihre Titel denn auch verteidigen. "Und das Herren-Doppel wollen Alexander Eller und ich dann ebenfalls gewinnen", sagt Oliver Meinecke.

Deutscher Meister. Ein Titel, von dem viele, ja eigentlich alle Sportler träumen. Nun tun das sogar auch Esther Schmid und Oliver Meinecke, die das bis vor kurzem nie wirklich getan haben.

Von Gerhard Pfisterer, Fellbacher Zeitung